Der Bus. Ich warte auf den Bus. Ich muss eher da sein als
der Bus. Ich will nicht, dass er wegfährt ohne mich. Ich muss wohin. Wohin? Ich
muss zur Arbeit, zum Arzt. Ich muss immer irgendwohin. Und wenn ich irgendwo
bin, habe ich Aufgaben zu erledigen. Ich muss immer Sachen machen. Aufgaben
erledigen. Auch wieder ein schlau ausgedachter Plan. Gebt ihm Arbeit. Haltet
ihn beschäftigt. Aber ich ahne, dass das nur ein Spiel ist, in dem ich eine
Figur bin. Ich bin ein Sim. Das ist mein Tag. Oh halt, das muss ich
präzisieren. Ich glaube, nur Teile von mir sind ein Sim, ein Simulacrum. Ich
bin nicht sicher, ob es einen Unterscheid macht. Es gibt da immer wieder etwas,
von dem ich träume. Ich erinnere mich daran, dann ist es wieder weg. Der
Speicher dieser Einheit kann den Inhalt nicht lange behalten. Er degeneriert zu
Episoden, zu Zerrbildern. Lustig, unheimlich, unverständlich. Das Gesicht, das
sich während eines Diavortrages zu Dir umdreht. Das, was dauerhaft gespeichert
werden kann, was abgerufen werden kann, auch nach Jahren, ist ein Indiz für die
wirkliche Bandbreite dieses Kanals. Sie ist erbärmlich klein. Dünn, wie die
Fäden, an denen alles hängt. Eigentlich läuft es meistens auf ein Bit hinaus.
Ja. Nein. Der Zustand, den es beschreibt, scheint vorkodiert zu sein. Aus der
Tatsache, dass es zwei Welten verbindet, schließe ich, dass es etwas bedeutet.
„Das Ziel jeder strukturalistischen Tätigkeit […] besteht
darin, ein ‚Objekt‘ derart zu rekonstituieren, daß in dieser Rekonstitution
zutage tritt, nach welchen Regeln es funktioniert (welches seine ‚Funktionen‘
sind). Die Struktur ist in Wahrheit also nur ein Simulacrum des Objekts, aber
ein gezieltes, ‚interessiertes‘ Simulacrum, da das imitierende Objekt etwas zum
Vorschein bringt, das im natürlichen Objekt unsichtbar oder, wenn man lieber
will, unverständlich blieb.“ (Roland Barthes: Die strukturalistische
Tätigkeit. In: Kursbuch. 5. Mai 1966. S. 190-196.)
Aber für wen bedeutet es etwas? Nicht für mich, obwohl ich es wahrnehme. Nicht für andere, die ebenfalls Teil der Ablenkung sind. Davon muss ich ausgehen. Es sind die Moderatoren dieser Welt. Aber auch das Ich, mein Ich, ist eine Ablenkung. Gespeist von der Illusion des Seins, halte ich aber dennoch daran fest. Ich weiß nicht warum. Kann es nur ahnen. Die einzige logische Schlussfolgerung ist die, dass es die benötigte Brückenkopffunktionalität hat. Ich weiß nicht, inwieweit Logik hier eine Rolle spielt, aber ich klammere mich daran fest. Es könnte ein Fehler sein. Die Erkenntnis dieses Simulacrums muss transportiert werden. Ich nehme an, dass die Asymmetrie zwischen Upload- und Downloadrate ein Strukturmerkmal dieser Welt ist.
Ich mag schönes Wetter. Ich mag blauen Himmel, Lachen, Coca Cola. Ich will irgendwas. Ich will ein Haus. Ich will mich entfalten. Ich will Sicherheit, Pancakes, Kaffee. Ich wollte doch irgendwas. Zeit? Ich will all die Worte. All die Worte. Bedeutung. Ich bin hungrig. Ich sollte etwas essen. Ich sollte eine Scheibe Brot essen. Ich muss in die Küche, muss Zähneputzen, Durst, Steuererklärung. Er ist jetzt im Badezimmer. Haltet ihn in der Schwebe zwischen Neugier und Erkenntnis, um Himmels Willen.