Lektionen der Liebe

Meine Freundin hat mich am Wochenende gefragt, wieviel Prozent meiner Gedanken bei ihr sind. Eigentlich eine ziemlich gefährliche Frage, wenn man bedenkt, was für Antworten da heraus kommen. Sind 10% zuwenig? Sind 25% ausreichend? 90% zuviel? Und was ist mit der goldenen Mitte, 50%?
Ich habe auf jeden Fall mal darauf geachtet und hier sind meine Ergebnisse: Ausgeschlossen habe ich von vorn herein die Gedanken, deren Grund ein dringendes und existentielles Bedürfnis sind. Darunter fallen zum Beispiel Gedanken wie "Ich hab' Hunger", "Ich mag Pizza", "Meine Blase ist voll" und "Huch, guck mal! Es ist Tag". Ich weiß, Liebe hat auch oft solch dringende existentielle Gedankenbestandteile (z.B. "Au Backe, ich liebe dieses Mädchen"), doch darüber schreibe ich hier nicht. Es geht um Gedanken, die darüber hinaus gehen. Da fällt mir zum Beispiel ein, dass ich heute morgen nachgedacht habe, wie es wohl wäre, mit ihr zusammen zu ziehen. Oder der Moment, wo mir aufgefallen ist, dass ich, wenn ich den Kuschelwollpulli trage, den sie mir immer wegnimmt, Imitationen einiger ihrer Gesten für ein sehr exklusives Publikum (in dem Fall: ich) darbiete. Oder jetzt, wenn ich das hier schreibe. Ha! Da fällt es mir wie Schnee von den Tannen! Dass ich da nicht eher drauf gekommen bin! Es geht nicht so sehr um die Häufigkeit, sondern um die Qualität. Oh, wie gemein von ihr, Liebe in der prozentualen Häufigkeit gedachter Gedanken zu messen! Ein Glück, dass ich da noch dahinter gekommen bin. Wieder etwas gelernt.

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